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Was ist los am Dinkelmarkt?

Universität Hohenheim

Dr. Longin

Dr. Longin

14.05.2014: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis in einer Marktwirtschaft. Was aber, wenn das Angebot nicht ausreicht um den Markt zu bedienen? Man spricht bereits von einer Krise. Dieses Phänomen erleben wir gerade auf dem Dinkelmarkt. yumda hat den Leiter der Landeszuchtanstalt Hohenheim Dr. Longin zur Situation am Dinkelmarkt befragt.

Herr Longin, gibt es wirklich schon eine Dinkelkrise?
Es gibt tatsächlich eine Versorgungslücke, von einer Krise würde ich aber nicht sprechen. Die Situation, die wir gerade haben, ist schlicht eine logische Konsequenz aus den herrschenden Bedingungen.

Und wie sehen diese aus?
Der Bedarf an Dinkel wächst seit Jahren sehr stark. Müller sprechen von 20 Prozent Umsatzsteigerung pro Jahr. Aber die Landwirte haben mit dem Anbau nicht ganz so mitgezogen. Hinzu kommt noch, dass in dem kalten Winter 2011/12 sehr viele Felder mit Weizen, Gerste und Dinkel erfroren sind. Die Ernte im darauffolgenden Jahr war durchschnittlich. Und jetzt sind die Lager leer.

Wie wirkt sich diese Knappheit aus?
Im Prinzip gibt es gar kein Dinkel mehr im Markt. Der Endverbraucher bekommt das über höhere Preise etwa in Mühlenshops mit. Das Mehl wird teilweise teurer im Supermarkt. Manche Hersteller – vermute ich – wollen jedoch ihren festen Platz im Regal nicht verlieren und schlucken die derzeitigen Preise, ohne sie an die Verbraucher weiterzugeben. Fakt ist jedoch: Es gibt derzeit keinen Dinkel, erst wieder im Herbst, wenn die neue Ernte eingefahren ist.

Warum ist Dinkel so beliebt?
Diese alte Spelzweizenart könnte man auch als eine Art „Modekorn“ bezeichnen. Dinkel ist in. Den Leuten scheint es zu schmecken – und das Gesamtkonzept kommt an. Der Touch des Urtümlichen, sprich: etwas Altes, Gesundes wird auch noch regional angebaut. Das wirkt.

Ist Dinkel tatsächlich gesünder als Weizen?
Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür. Den wollen wir aber antreten. Derzeit haben wir ein wissenschaftliches Projekt am Start. Wir wollen die gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffe von Dinkel, Einkorn und Emmer untersuchen. Professor Dr. Dr. Reinhold Carle wird die sekundären Inhaltsstoffe unter die Lupe nehmen – und in Weihenstephan haben wir bereits den Proteinspezialisten Prof. Dr. Peter Köhler angesprochen.

Und welche Hypothese verfolgen Sie dabei?
Es gibt zahlreiche Verbraucher , die beim Essen von Weizenprodukten von Unverträglichkeitsreaktionen wie Blähungen, Völlegefühl u.a. berichten, diese Reaktionen aber nicht haben, wenn sie Dinkel essen. Das wollen wir genauer untersuchen. Zudem ist bei der Menge an Brot, was die Deutschen zu sich nehmen, die Aufnahme von Mineral- und sekundären Inhaltstoffen aus Getreide von zentraler Bedeutung in der menschlichen Ernährung. Aus Vorstudien wissen wir, dass Dinkel, Emmer und Einkorn hier ein großes Potential bieten, was wir nun genauer untermauern wollen.

Was muss passieren, dass im nächsten Jahr die Versorgungslücke nicht wieder klafft?
Besser planen, vor allem langfristiger! Den Müllern im Land war im Herbst 2013 schon klar, dass Dinkel knapp wird. So haben sie die Landwirte mobilisiert. Aber das Saatgut war eben irgendwann aus und die Anbaufläche konnte somit nur mäßig gesteigert werden. Zur Verdeutlichung: Was der Bäcker heute braucht, hat der Müller im Herbst 2013 eingekauft, und der Landwirt im Herbst 2012 gesät. Das Saatgut für den Landwirt wurde aber vom Saatzüchter in den Jahren 2011 und 2012 produziert. Das gibt im Ganzen knappe vier Jahre Vorlauf!

Nun müssen die Saatzüchter mehr Saatgut produzieren, dass in ein-zwei Jahren die Landwirte deutlich mehr Dinkel anbauen können. Doch alle in der Produktionskette haben etwas Angst: denn wenn jetzt alle auf den Dinkelzug aufspringen, gibt es vielleicht bald eine Marktübersättigung. Und dann bleiben alle auf ihrem Dinkel sitzen.

Was wir jetzt brauchen sind mindestens zwei sehr gute Erntejahre, damit wir den laufenden Bedarf decken und die Lager füllen können – nicht zu vergessen: die Produktion von ausreichendem Saatgut.

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