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Transparenz ist Pflicht

Wer die LMIV umsetzen will, muss über Etiketten, Stammdaten und Haftung nachdenken

Dr. Richard Joachim Lehmann, Manager E-Business/GDSN bei GS1 Germany

Keine leichte Kost für Lebensmittelunternehmer: Mit dem Stichtag 13. Dezember 2014 gilt die EU-Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) verbindlich. Sie steht für neue Vorschriften zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Was sich ändert sich und wo Unternehmen Unterstützung finden, steht in diesem Whitepaper.

Lebensmitteletiketten blind vertrauen – das möchte nach den zahlreichen Skandalen der vergangenen Jahre kaum jemand mehr. Stattdessen fordern die Verbraucher transparente Produktinformationen: Lebensmittelverpackungen sollen verlässlich, klar und umfassend Auskunft über den Inhalt geben. Mit der EU-Verordnung 1169/2011 macht die Politik nun Nägel mit Köpfen. Die LMIV schreibt detailliert vor, wie Lebensmittel zu kennzeichnen sind, und legt beispielsweise neue Regeln für Werbung und Fernabsatz fest. Das stellt Hersteller, Händler und insbesondere den stark wachsenden Onlinevertrieb vor vielfältige Herausforderungen.

Umfassende Aufklärung – online und offline

In puncto Kennzeichnung fordert der Gesetzgeber unter anderem eine übersichtliche Tabelle zum Energiegehalt und zu sechs Nährstoffen (Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz). Auf einen Blick muss erkennbar sein, ob das Produkt Stoffe enthält, die allergische Reaktionen auslösen können – das gilt auch für lose Ware wie zum Beispiel Wurstwaren von der Bedientheke. Auch die Herkunftsangabe gehört zum Pflichtprogramm. Was für Rind- und Kalbfleisch bereits seit dem Jahr 2000 vorgeschrieben ist, nämlich Informationen zu Aufzucht und Schlachtung, wird nun bei Frischfleisch auch für Schweine, Geflügel, Schafe und Ziegen verpflichtend. Ebenso wird überall dort eine Herkunftsangabe vorgeschrieben, wo Produktangaben den Verbraucher ansonsten in die Irre führen könnten. Beispiel „spanische Tomaten“: Wurden die Tomaten nicht in Spanien geerntet, sondern vielleicht nur dort abgefüllt, werden zusätzliche Informationen zum Herkunftsort fällig. Ein echter Kraftakt: Aufgrund der neuen Kennzeichnungsregeln müssen Markeninhaber und Importeure nahezu alle Lebensmittelverpackungen umgestalten. Und damit nicht genug. Die Vorschriften der LMIV gehen weit über die physische Warenwelt hinaus. Auch Unternehmen, die Lebensmittel zum Beispiel im Internet verkaufen wollen, sind betroffen und müssen umfassende Produktdaten liefern – mit Ausnahme des Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatums sogar schon vor Abschluss des Kaufvertrags. Die Informationen können etwa direkt im Webshop zur Verfügung gestellt werden.

Haftungsausschluss ausgeschlossen

Doch was, wenn die Produktinformationen nicht stimmen? Wenn etwa Allergene falsch deklariert wurden? Wer trägt letztlich die Verantwortung dafür, dass die Angaben zu Inhaltsstoffen, Nährwerten & Co. richtig, aktuell, vollständig und somit gesetzeskonform sind? Grundsätzlich gilt: Haftbar ist derjenige, der Produktdaten in Verkehr bringt oder sie verändert – bewusst oder unbewusst. Speziell im Onlinehandel nutzen einige Unternehmen einen Haftungsausschluss (Disclaimer), um sich gegenüber Verbrauchern aus der Verantwortung zu ziehen. Dies ist jedoch nicht mehr zulässig. Um mehr Sicherheit in rechtlichen Fragen zu schaffen, hat GS1 Germany einen Haftungsfragenkatalog veröffentlicht, der verschiedene Szenarien in der Liefer- und Informationskette beschreibt.

Stammdaten im Griff

Unternehmen müssen ihre Verkaufsstrategien und Aktivitäten danach ausrichten, wo sie ihre Kunden erreichen – egal ob mobile, in sozialen Medien oder im stationären Handel. Für die Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie dabei alle Produktinformationen aus einer einzigen, vertrauenswürdigen Quelle beziehen können. Dabei ist die Einrichtung einer zentralen Produktdatenbank das eine – etwas anderes ist es, sicherzustellen, dass die Daten jederzeit korrekt, vollständig, aktuell und synchron sind. Nur wenn dies im kompletten Netzwerk der Handelspartner auf der Einkaufs- ebenso wie auf der Verkaufsseite gewährleistet ist, können sämtliche Kanäle effizient bespielt werden. Hinzu kommt, dass die Unternehmen den gesetzlich vorgeschriebenen sowie selbstauferlegten Anforderungen an die Bereitstellung von Produktinformationen gerecht werden müssen. Die Lebensmittelinformations-Verordnung bringt jede Menge neue Herausforderungen beim Management der Produktdaten mit sich.

LMIV sicher umsetzen

Nach dem 13. Dezember 2014 wird es Unternehmen kaum mehr möglich sein, die Fülle der gesetzlich geforderten Informationen manuell bereitzustellen und zeitnah zu aktualisieren. Mit standardisierten, digitalen Lösungen lassen sich zuverlässige Artikelstammdaten jederzeit über alle Vertriebskanäle hinweg sicherstellen. Für die Umsetzung der LMIV bietet beispielsweise der zertifizierte Datenpool von 1Worldsync eine gute Lösung, da er über das GS1 Global Data Synchronization Network (GDSN) mit Datenpools in aller Welt verbunden ist. Hersteller pflegen die Stammdaten ihrer Produkte inklusive der neuen LMIV-Pflichtangaben in den Datenpool ein – entweder selbst oder mit Unterstützung des Dienstleisters Smart Data One, der bei der Sicherstellung der geforderten Datenqualität hilft. Via GDSN erhält der Handel dadurch automatisch die aktuellen Produktinformationen für seine unterschiedlichen Absatzkanäle – ganz gleich ob Onlineplattform oder Smartphone-App.

Gemeinsam mit Rechts- und Datenexperten aus Industrie und Handel hat GS1 Germany die Anforderungen der LMIV und ihre Auswirkungen auf die Artikelstammdaten im GDSN analysiert. Die Ergebnisse wurden in einer LMIV-GDSN-Mappingtabelle veröffentlicht. Basierend darauf hat 1Worldsync den Datenpool aufgerüstet. Zudem wurde ein GDSN-Umsetzungsleitfaden für die LMIV erstellt. Er unterstützt dabei, die relevanten Daten vollständig und fehlerfrei zu erfassen und zuzuordnen.














Abbildung 1 Die LMIV stellt neue Anforderungen an das Stammdatenmanagement

Unterstützung online und am Telefon

Expertengespräche von GS1 Germany zeigen, dass viele Unternehmen nach wie vor nicht einschätzen können, inwiefern sie überhaupt betroffen sind und was in diesem Fall zu tun ist. Aus diesem Grund haben GS1 Germany, 1Worldsync und Smart Data One eine gemeinsame Initiative gestartet, die alle Services und Lösungen für ein LMIV-konformes Stammdatenmanagement bündelt. Ziel ist es, Unternehmen umfassend durch die Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zu begleiten. Auf der Website www.lmiv-services.de oder auch an der Experten-Hotline 0221/300 61 888erfahren Unternehmen, wie sie ihre individuellen Anforderungen aus der LMIV erfüllen. Per Online-Analyse wird der Status quo ermittelt. Weiterführende Informationen, Tools und Ansprechpartner stehen auf einen Blick zur Verfügung.














Abbildung 2 Praktische Umsetzungshilfe bei der LMIV: www.lmiv-services.de

Die folgende Checkliste vermitteltet Unternehmen einen ersten Eindruck davon, wo sie im Thema LMIV stehen. Alle Unternehmen, die Lebensmittel herstellen, damit handeln oder sie als Gemeinschaftsverpfleger verarbeiten, sollten sich dieser kritischen Prüfung unterziehen. Die Checkliste hilft dabei, relevante Fragestellungen für die Umsetzung der LMIV zu identifizieren. Wer für alle Fragen schon eine Lösung hat, ist gut gerüstet für die Lebensmittelinformations-Verordnung. Ansonsten heißt es, Ärmel hochkrempeln.

LMIV-Checkliste

Themenkomplex

Fragestellungen

Deklaration

  • Enthält das von Ihnen hergestellte oder vertriebene Produkt Allergene?
  • Sind Sie verpflichtet, Nährwerte anzugeben?
  • Müssen Sie die Herkunft des Produkts angeben?

Fernabsatz

  • Werden Ihre Produkte auch in Onlineshops vertrieben?
  • Sind Gemeinschaftsverpfleger unter Ihren Kunden?

Haftung

  • Wissen Sie, dass Sie gegebenenfalls für bereitgestellte oder geänderte Produktdaten haftbar gemacht werden können?
  • Wissen Sie, dass von Ihnen bereitgestellte Daten jederzeit (auch online) dem entsprechenden Produkt zugeordnet werden können müssen?

Stammdaten

  • Verlangen Ihre Kunden die aufgrund der LMIV erforderlichen Stammdaten?
  • Stellen Sie bereits alle LMIV-relevanten Stammdaten zurVerfügung?
  • Haben Sie einen zentralen Verantwortlichen für die Stammdaten?

Datenqualität

  • Sind die von Ihnen bereitgestellten Stammdaten jederzeit vollständig, fehlerfrei und konsistent über alle Vertriebskanäle und Datenbanken?
  • Ist die Aktualität Ihrer Stammdaten jederzeit gewährleistet, auch wenn sich die Deklaration ändert?
  • Berücksichtigen Sie gegebenenfalls vertikale Verordnungen, wenn Sie Stammdaten bereitstellen?

Artikelidentifikation

  • Werden von Ihren Produkten gleichzeitig Varianten mit unterschiedlicher Deklaration angeboten?
  • Vergeben Sie bei jeder gesetzlich relevanten Änderung der Deklaration eine neue Artikelnummer (GTIN)?
  • Teilen Sie Ihren Handelspartnern Änderungen der Deklaration mit bzw. werden Sie von Ihren Lieferanten darüber informiert?

Informationen rund um die LMIV finden Sie unter: www.lmiv-services.de oder direkt an der LMIV-Experten-Hotline: 0221/300 61 888.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
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