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Der Hunger nach Gewürzen steigt - nicht nur in Deutschland

02.12.2016

Jahr für Jahr verbrauchen die Deutschen mehr Gewürze. Und Jahr für Jahr wird das teurer. Ein Grund sind die Produzentenländer. Dort kauft die reicher werdende Mittelschicht die Erzeugnisse selbst.

Wenn ab September das Weihnachtsgebäck in die Supermärkte kommt, hat die Arbeit daran bereits viele Monate zuvor begonnen. Auf Plantagen in Indonesien, Indien, Sri Lanka, China und Madagaskar reifen oft schon im Vorjahr die Gewürze heran, die schließlich in deutschen Zimtsternen, Christstollen und Lebkuchen landen.

Nicht nur für die Weihnachtszeit gilt: Der Gewürzverbrauch der Deutschen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen - sowohl in der Menge als auch in der Vielfalt. «Das Thema «indisches Kochen» wird zum Beispiel wichtiger in Deutschland», erklärt Ole Strohschnieder, einer der Geschäftsführer des Gewürzhändlers Just Spices in Düsseldorf. «Dabei braucht man in der Regel deutlich mehr Gewürze als bei der traditionellen deutschen Küche.»

Auch Trendgewürze wie zum Beispiel die Ingwer-Unterart Kurkuma würden langsam in Deutschland Fuß fassen. «In den USA gibt es schon jede Menge Rezepte, wie man damit zum Beispiel Milch verfeinern kann», sagt Strohschnieder. «Wie beim Ingwer hilft auch hier, dass das Gewürz außerdem noch als gesund gilt.»

Doch der Gewürzkonsum steigt nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo. «Der Inlandsverbrauch an Gewürzen in Asien ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen», berichtet Dirk Radermacher, Hauptgeschäftsführer des Fachverbands der Gewürzindustrie in Bonn. «Dort wachsen die wesentlichen Gewürze, auch für den deutschen Markt. Es wird nicht einfacher, die Menge und Qualität an Gewürzen einzukaufen, die in Deutschland nachgefragt wird.»

Seit 2012 ist die Gewürznachfrage in Deutschland ständig gestiegen, im vorigen Jahr wurden mehr als 106 000 Tonnen importiert. Noch viel stärker gestiegen ist allerdings der Preis der Gewürze: Rund ein Viertel mehr zahlten die Deutschen für ihre Gewürzimporte im Vergleich zu 2014, obwohl die Einfuhrmenge kaum zugenommen hatte.

Das liegt aber nur zum Teil an der verstärkten Nachfrage in den Produzentenländern. Zuletzt litten gleich mehrere Gewürzsorten unter schlechtem Wetter. Der trockene Sommer in Europa sorgte für massive Ernteausfälle bei verschiedenen Kräutern. Auch der Pfefferpreis - das mit Abstand am meisten importierte Gewürz in Deutschland - lag historisch hoch. Jahrelange starke Nachfrage sowie schlechte Prognosen für die Pfefferernte in Indien und Sri Lanka hatten den Preis nach oben getrieben.

Aktuell zahlen vor allem Käufer von Vanilleschoten viel. Auch hier führte eine schlechte Ernte zu einer Unterversorgung. Liebhaber von vanillehaltigem Weihnachtsgebäck müssen trotzdem zumindest kurzfristig nichts befürchten. «Gewürze sind lange haltbar», sagt Radermacher. «In der Regel kaufen die Unternehmen sehr vorausschauend. Gleichwohl seien angesichts der steigenden Nachfrage und des hohen Qualitätsanspruchs Preissprünge jederzeit möglich. Ob dies dann im Supermarkt zu Erhöhungen führe, sei nicht vorauszusagen. «Der deutsche Einzelhandel ist sehr preissensibel.»

Doch ungeachtet der saisonalen Auswirkungen dürfte die Nachfrage in den Produzentenländern auch weiterhin steigen. Insbesondere die indische und die chinesische Mittelschicht wachsen jährlich um viele Millionen Menschen an. «Wir haben gute Beziehungen in die Anbauländer und schaffen es so bisher, die deutsche Nachfrage stabil zu bedienen», sagt Radermacher. «Aber die Signale gehen in die Richtung, dass das Angebot knapper wird.» (dpa)

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