06.07.2016 - Die Akademie Fresenius GmbH

Fachkonferenz der Akademie Fresenius diskutierte Sicherheit von Lebensmittelkontaktmaterialien

Am 16. und 17. Juni 2016 lud die Akademie Fresenius zur jährlichen Fachtagung „Residues of Food Contact Materials in Food“ nach Köln. 19 Expertinnen und Experten aus Lebensmittelchemie und Toxikologie berichteten über Fortschritte in der Toxikologie und Erfahrungen mit der Risikobewertung und neue Testmethoden. 

Kaum ein Thema beschäftigt die Lebensmittelindustrie so sehr wie der Umgang mit der Verpackung. Im Januar 2016 empfahl die europäische Lebensmittelbehörde EFSA (European Food Safety Authority) die Weiterentwicklung der Sicherheitsbewertung von Stoffen in Lebensmittelkontaktmaterialien (Food Contact Materials, FCM). In die neue Bewertung sollen die wissenschaftlichen Fortschritte und die Erfahrungen mit der Anwendung der bestehenden EU-Richtlinien einfließen. Ein aktueller Entwurf zur Beschlussfassung des Europaparlaments fordert die Ausarbeitung von Leitlinien für Lebensmittelkontaktmaterialien, um einheitlichere und bessere Kontrollen in den Mitgliedstaaten zu erleichtern. Bisher fehlt es noch an einheitlichen EU-Standards für analytische Untersuchungen.

Konrad Grob: Aus dem Dilemma des Kartonrecyclings für Lebensmittelverpackungen

Guideline des Schweizerischen Verpackungsinstituts

Konrad Grob vom Kantonalen Labor Zürich widmete sich einem aktuellen Thema der Verpackungs- und Lebensmittelindustrie: Recycling von Papier und Karton sei zwar „grün“ bezüglich reduziertem Materialverbrauchs, aber das Material sei schwer belastet mit Chemikalien aus Verwendungen, die nicht für Lebensmittelkontakt konzipiert waren, zum Beispiel Mineralölen aus Druckfarben. Für die meisten Anwendungen verletzt Recyclingkarton grundlegende Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit. Ein einfacher Ausweg aus diesem Dilemma sind Sperrschichten (Barrieren) im Innenbeutel, sofern solche verwendet werden. Allerdings sind längst nicht alle Kunststoffe geeignet. Damit die Hersteller passende Beutel entwickeln können und die Lebensmittelindustrie Vertrauen in solche Beutel erlangen kann, muss die nötige Wirksamkeit solcher Barrieren spezifiziert werden. Das Problem: Die Mehrzahl der Verunreinigungen im Recyclingkarton ist nicht auf gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft oder nicht einmal identifiziert. Die Verunreinigungen wechseln auch immer wieder. Die Barriere soll aber sicherstellen, dass auch eine einmal in der Zukunft sich als hoch toxisch herausstellende Substanz genügend abgeschirmt ist. Eine Joint Industry Group (JIG) des Schweizerischen Verpackungsinstituts (SVI) brachte die Verpackungshersteller, die Lebensmittelindustrie, die Großverteiler und die staatliche Überwachung zusammen, um sich in einer Guideline auf eine Spezifikation zu einigen. Diese legt im Kernpunkt fest, dass nicht mehr als ein Prozent der im Karton vorliegenden Substanzen ins Lebensmittel gelangen dürfen. Die Spezifikation wird mit drei Vertreterstoffen in einem Testverfahren überprüft, das die Situation in der Lebensmittelpackung nachstellt. Diese Guideline hat keinen Gesetzescharakter. In der Schweiz entspricht jedoch bereits die Mehrzahl der Innenbeutel dieser Spezifikation. Eine andere SVI Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit Lösungen, wenn kein Innenbeutel verwendet wird, damit der „grüne“ Recyclingkarton für Lebensmittelverpackungen als unbedenklich gelten kann.

Vorläufige Entwarnung bei Nanopartikeln: Keine Freisetzung bei normalem Verbrauch

Roland Franz vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV (Freising) gab in in seinem Vortrag einen Überblick über den Forschungsstand zur Frage, ob Nanopartikel aus nanotechnologisch modifizierten Verpackungen auf Lebensmittel übergehen (Migration). Insgesamt kam Franz zu dem Schluss, dass eine Freisetzung von Nanopartikeln lediglich durch eine sporadisch auftretende, mechanische Ablösung von der Oberfläche, z. B. an Schnittkanten, erfolgen kann. „In letzter Konsequenz ist keine nennenswerte Exposition des Verbrauchers mit Nanopartikeln aus Verpackungskunststoffen zu erwarten“. Bislang lägen keine vollständigen wissenschaftlichen Belege für eine Migration von Nanopartikeln aus einer Kunststoffverpackung bei normalem Verbrauch vor. Noch ungeklärt sei allerdings die Frage, ob Nanopartikel freigesetzt werden können, wenn sie nicht vollständig in die Polymermatrix eingebunden sind, oder wenn starke Materialbelastung die Polymer-Oberfläche verändert. Zur Klärung dieser Frage führt das Fraunhofer Institut IVV momentan Abriebuntersuchungen durch und erhofft sich von den Ergebnissen detaillierte Erkenntnisse.

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