06.10.2022 - Fachhochschule Münster

Süßgetränke oft leichter zu haben als Trinkwasser

Studentin der FH Münster untersuchte den Einfluss hochverarbeiteter Lebensmittel in Mexiko

Mexiko nimmt im internationalen Vergleich einen der Spitzenplätze ein, wenn es um Übergewicht geht. Drei Viertel der Bevölkerung wiegen zu viel. Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 gehören zu den häufigsten Todesursachen. Diese Entwicklung ist vor allem auf den fundamentalen Ernährungswandel zurückzuführen, der sich in den letzten 20 Jahren in dem lateinamerikanischen Land vollzogen hat. Längst haben internationale und nationale Lebensmittelkonzerne den Markt erobert, traditionelle Ernährungsweisen weichen zunehmend in den Hintergrund. „In manchen Bezirken ist es leichter, Süßgetränke zu bekommen als Trinkwasser“, sagt Louisa Nagel. Die Oecotrophologie-Studentin von der FH Münster war wegen einer quantitativen Erhebung für ihre Bachelorarbeit in der ländlichen Gemeinde Cuzalapa in Mexiko. Zuvor hatte sie an der Partnerhochschule in Guadalajara ihre Praxisphase verbracht.

In der Region herrschen eigentlich gute Anbaubedingungen, viele Familien widmen sich der Landwirtschaft. Verpackte und hochverarbeitete Lebensmittel sind aber in den abgelegensten Läden leicht zu bekommen. „Ernährungsmuster, die auf einem hohen Anteil an solchen Lebensmitteln basieren, stehen in Zusammenhang mit negativen Konsequenzen für die Gesundheit“, sagt Nagel. Mexiko ist im globalen Vergleich einer der Vorreiter beim Konsum von gesüßten Getränken, Fast Food und Fertiggerichten.

Mit dem englischsprachigen Seminar „Food and Nutrition Security Assessment“ bei Dr. Jan Makurat, der auch ihre Bachelorarbeit betreut hat, sei sie gut auf den Aufenthalt vorbereitet worden, so Nagel. Ernährungssicherheit betrifft dabei nicht nur die verfügbare Menge an Lebensmitteln, sondern auch ihre Qualität. Nagel hat erhoben, wie groß der Einfluss von hochverarbeiteten Lebensmitteln in der Region ist und welche Folgen das für die Ernährung hat. Besondere Aufmerksamkeit schenkte die Studentin dabei der Ernährung von Frauen im ländlichen Raum. „Sie gehören zu den Gruppen, die besonders von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Überdurchschnittlich oft sind sie übergewichtig und gleichzeitig mangelernährt“, sagt Nagel.

Über Interviews und Fragebögen erfasste sie, wie häufig verschiedene Lebensmittelgruppen mit unterschiedlichen Verarbeitungsgraden konsumiert wurden. „In der Auswertung hat sich ein gemischtes Bild ergeben“, erklärt Nagel. Die Frauen gaben an, unverarbeitete oder kaum verarbeitete Lebensmittel wie Bohnen oder Hülsenfrüchte häufig zu essen. „Damit scheinen Elemente des traditionellen Ernährungsmusters im ländlichen Raum noch Bestand zu haben, was grundsätzlich empfohlen wird und positiv zu bewerten ist“, so Nagel. Gleichzeitig berichteten die Frauen auch davon, dass Cola und Limonaden sowie industriell gefertigte Backwaren eine nennenswerte Rolle in ihrer Ernährung spielten. „Diese Koexistenz von Lebensmitteln mit unterschiedlichen Verarbeitungsgraden deutet auf einen Wandel in den Ernährungsmustern hin. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Wandel noch weiter vertiefen wird“, erklärt Nagel.

Die Regierung geht inzwischen mit Gesetzen, Programmen und Apellen gegen das massive Problem vor. So ist es in einzelnen Bundesstaaten verboten, kalorienreiche Snacks und Softdrinks an Kinder und Jugendliche zu verkaufen. Andere Ansätze gehen dahin, lokale Strukturen zu stärken und den eigenen Anbau zu fördern. Mit internationaler Ernährungssicherung und Entwicklungszusammenarbeit wird Louisa Nagel sich auch weiterhin befassen. Ab Mitte Oktober arbeitet sie am Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe bei Dr. Jan Makurat. Die Ergebnisse aus der Bachelorarbeit möchte das Team in einem Fachaufsatz veröffentlichen.

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