13.05.2020 - kokojoo Food Europe GmbH i.G.

Kakao kann mehr als Schokolade - kōkōjoo die prickelnde Erfrischung auf Basis von Kakaobohnenschalen

Gründer im Interview: kōkōjoo

kōkōjoo wurde 2018 gegründet und zeigt, was Kakao alles sein kann. Der Gründer Dayog erzählt yumda in einem Interview, wie das Erfrischungsgetränk den Weg auf den Markt gefunden hat.

Wie seid ihr auf die Idee mit den Erfrischungsgetränken auf Basis von Kakaobohnenschalen gekommen?

Wie man es immer so schön sagt, liegen die besten Ideen nicht weit weg. Und man muss nicht zu weit schauen, um etwas Gutes zu bewegen.

Im Januar 2018 fungierte ich als Berater des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) zur Einführung nachhaltiger Wertschöpfungsketten im Kakaosektor. Damals hatte ich auch noch nebenbei meine Doktorarbeit geschrieben im Bereich Schaffung von menschlicher Sicherheit in Westafrika durch Implementierung von wirtschaftspolitischen Maßnahmen sowie lokalen traditionellen Konfliktlösungsmechanismen. Im Grunde ging es dabei um die Schaffung von Entwicklung durch „Trade not Aid“ und das Nutzen vom Potenzial Afrikas zur Lösung von internen Konflikten.

Im Zuge des Einsatzes konnte ich also bereits Hypothesen meiner Arbeit testen. Zwei grundlegende Dinge wurden mir dabei noch mal bewusst: Die größten Kakaoanbauländer der Welt befinden sich in Afrika. Das sind einmal Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) und Ghana. Trotz alldem finden mehr als 90% der Wertschöpfungskette der Kakaofrucht außerhalb Afrikas statt. Das kann einfach nicht sein. Und die meisten BesucherInnen auf der Messe wussten nicht mal wie eine Kakaofrucht aussieht, geschweige denn wie ihre Lieblingsschokolade hergestellt wird. Dies war für mich der erste Schock. Zum anderen ist mir noch einmal bewusst geworden, dass lediglich 20% dieser wertvollen Frucht industriell genutzt werden. Dass also ganze 80%, vorne weg die Schalen, als „Abfall“ betrachtet werden. Dabei bietet die Frucht viel mehr als nur die Bohnen, die Grundzutat für Schokolade. Nicht umsonst nannten die Azteken diese Frucht "Speise der Götter". Dass auch die Schalen voller Nährstoffe sind und viele Anwendungsmöglichkeiten haben könnten, ließ sich durch unterschiedliche Analysen bestätigen, die wir haben durchführen lassen. Vorausgesetzt, die Schalen sind von guter Qualität.

Mir war natürlich auch bewusst, dass ich sehr wahrscheinlich nicht der Erste war, dem dies aufgefallen ist. Da lag ich aber falsch, denn viele Gespräche haben ergeben, dass sich jeder auf die schokoladige Seite der Kakaofrucht fokussiert. Da wollte ich ein Zeichen setzen. So ist also die Marke kōkōjoo entstanden, mit dem Ziel einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, sowohl den verschwenderischen Umgang mit der Kakaofrucht zu reduzieren als auch Teile der Wertschöpfungskette im Bereich Kakao nach Afrika zu verlagern. Wir kümmern uns um die Erhaltung und Betonung der positiven Nährstoffe der Kakaofrucht, wollen Probleme mit der Kakaofrucht lösen und keine Ressourcenverschwendung betreiben.

kōkōjoo ist also die prickelnde Erfrischung auf Basis von Kakaobohnenschalen. Nährstoffreich und geschmacksintensiv — die Schalen der Kakaobohnen sind zu wertvoll, um sie als Restprodukt der Schokoladenherstellung wegzuwerfen. Wir zeigen: Kakao kann mehr als Schokolade. In Westafrika und Europa entsteht aus den Schalen unser Durstlöscher mit der Wirkkraft des Kakaos, die die Azteken schon vor 3.000 Jahren erkannten: belebend und zuckerarm — immer nachhaltig, fair und vegan. Mit oder ohne Koffein schmeckt kōkōjoo am besten gut gekühlt.

Wie lange hat die Entwicklung gedauert und was waren die herbsten Rückschläge?

Von der Idee bis zum ersten Prototyp haben wir fast 12 Monate gebraucht. Nach der IGW 2018 ging es los zusammen mit meiner Partnerin in der heimischen Küche mit der Suche nach den passenden Mixturen. Mir war auch bewusst, dass BauerInnen in vielen afrikanischen Ländern die Schalen als heißen Tee trinken. Auch in Deutschland sind die Schalen längst bekannt als Teemischung mit anderen Zutaten. Gerade weil dies längst bekannt ist, ist die Novel Food Verordnung für uns kein Problem, wie einige Startups im Beverage Bereich leider erfahren mussten. Neben den vielen Versuchen in der Küche arbeitete ich auch an dem Businessplan und der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten. Als wir zufrieden waren mit unseren Mixturen, wandten wir uns an einen professionellen Lebensmitteltechniker, damit die Rezeptur finalisiert werden kann. Letztendlich durften wir im Januar 2019 auf der IGW das erste Produkt dem Publikum in der Halle des BMZ vorstellen. Neben dem Erfrischungsgetränk auf Basis der Kakaobohnenschalen, konnte ich auch ein Saft auf Basis des Kakaofruchtfleischs präsentieren. Da das Fruchtfleisch im Gegensatz zu den Kakaobohnenschalen von der Novel Food Verordnung betroffen ist, dürfen wir unseren Kakaosaft noch nicht vertreiben. Auf den unterschiedlichen Events während der Einführung hatten wir auch erhöhte Nachfrage nach einer koffeinhaltigen Variante von unserem Erfrischungsgetränk. Deswegen haben wir nun auch kōkōjoo mit koffein entwickelt. Es ist der kleine Bruder von kōkōjoo original mit dem gleichen Geschmack, nur mit dem Unterschied, dass kōkōjoo mit koffein eben koffeinhaltig ist (30g/ml). Seit März 2020 haben wir also zwei Produkte auf dem Portfolio: kōkōjoo original und kōkōjoo mit koffein. Weitere Produkte sind in Entwicklung.

Als Startup sind Rückschläge auf der Tagesordnung. Wichtig ist es dabei aufzustehen, aus dem Fehler zu lernen und weiter zu machen. Trotzdem gab es Ereignisse, die ich persönlich nicht gebraucht hätte, gerade bei Wettbewerben oder bei der Bewerbung um Förderung: Bei einem Wettbewerb hatten wir zum Beispiel eine unbegründete Absage unserer Kandidatur. Es stellte sich aber heraus, dass es darum ging ein anderes Startup gewinnen zu lassen, das auch in der Kakaobranche aktiv ist. Ein weiteres, ähnliches Beispiel war eine Absage untermauert mit der Begründung, dass es Anordnungen zur Unterstützung eines anderen Startups in der Kakaobranche gab. Noch lustiger war eine Absage bei der Bewerbung für Fördergelder für die Teilnahme an einer Messe. Die Begründung war schlicht und weg abenteuerlich. Ich zitiere: “Ihr seid nicht innovativ genug, da ihr nicht vollständig in Deutschland produziert“. Kakao wächst ja nun mal nicht in Deutschland. Darüber kann ich nur lachen. Das Lachen vergeht mir jedoch bei der Nicht-Erfüllung von Finanzierungsengagement, was beinahe das Ende des Projektes kōkōjoo bedeutet hätte.

Wie war das erste Feedback vom Markt?

Nach schlaflosen Nächten wollte ich unbedingt, dass die Markteinführung auf der IGW stattfindet um den BesucherInnen in der BMZ-Halle zu zeigen, dass Kakao mehr kann. Deswegen habe wir unser Erfrischungsgetränk als Minimum Viable Product vorgestellt. Unsere Erwartungen wurden übertroffen und wir durften viele Vorbestellungen annehmen. Auch auf den StartUpsDays der IGW 2019 fiel das Feedback sehr positiv aus. Voller Elan machten wir uns also nach der Markteinführung auf der IGW an die Einarbeitung der gesammelten Feedbacks zur Verbesserung des Packagings bevor wir mit dem Vertrieb anfingen.

Auch in Frankreich wurde kōkōjoo sehr gut angenommen. In Côte d‘Ivoire lechzt man förmlich nach dem Getränk, denn die meisten dort fühlen sich an die eigene Kindheit erinnert. Schließlich genossen die meisten als Kind die rohe und unfermentierten Kakaobohnen mit Fruchtfleisch. Auf der ANUGA 2019 in Köln erhielten wir die Auszeichnung ‚Food START-UP of the Year 2019‘ in der Kategorie ‚Drinks‘. Dies war für uns auch ein starkes Signal der Anerkennung. Was dazu führte, dass wir von Ende Januar 2020 bis Mitte März komplett ausverkauft waren. Nun zahlt sich petit à petit die harte Arbeit aus: kōkōjoo ist seit Ende April 2020 in einer der größten Supermarktketten in der Schweiz gelistet. Aufgrund der COVID-19-Pandemie verzögern sich nun leider die Listungen hierzulande und in Frankreich sowie der Verkauf in Afrika. Wir hoffen jedoch, dass die Lage sich sehr bald normalisiert. Bis dahin ist kōkōjoo erhältlich exklusiv auf www.emoa.africa, einer in Berlin ansässige Plattform zur Förderung von innovativen und premium Produkte mit afrikanischem Touch und wird europaweit versandt.

Habt ihr euch den Markt so vorgestellt? Welche Besonderheiten hattet ihr zu meistern?

Grundsätzlich muss ich sagen, dass der deutsche Markt sehr komplex und kompliziert ist. Für alt-ansässige Unternehmen ist der deutsche Markt schon schwierig zu bearbeiten, geschweige denn für Newcomer in der Getränkebranche, mit einem Produkt, das der Konsument nur in Form von Schokolade oder schokoladenhaltigen Produkten kennt. Die Herausforderung bestand und besteht immer noch für uns, den Konsumenten von der Idee wegzubringen, dass Kakao gleich Schokolade ist. Ich glaube diese Aufgabe wird uns lange begleiten. Unser zentrales Anliegen ist zudem, dass kōkōjoo gekauft und genossen wird, weil es lecker und innovativ ist, und weil es dem Körper gut tut und nicht um „den armen Menschen in Afrika zu helfen“. Denn Mitleid und Hilfe hat nie und nirgends eine nachhaltige Entwicklung geschaffen. In vielen Fällen geht es leider nur um die Nutzung von Mitleid für reine Marketingzwecke. Wer wirklich helfen will, muss nicht behaupten beispielsweise 2 oder 3 Cent pro verkauftes Produkt für Brunnenbau in Afrika ausgeben. Dazu kommt, dass immer noch viele KonsumentInnen denken etwas Gutes zu tun indem sie mit Ihrem Einkauf den „armen Afrikanern“ einen Brunnen oder Esel schenken. Ein Umdenken muss jedoch unbedingt stattfinden. Viel wirkungsvoller ist es dafür Sorge zu tragen, dass die Wertschöpfung der Produkte in Afrika stattfindet, sofern dort die entsprechenden Rohstoffe bezogen werden. Ansonsten gibt es hier in Deutschland auch viel zu tun – und wie man es schön sagt, jeder sollte erstmal vor der eigenen Haustür kehren. Und wenn nicht, dann soll Zusammenarbeit und Kooperation auf Augenhöhe das Gebot der Stunde sein.

Würdet ihr es wieder tun?

Ein Startup zu gründen und eine Marke aufzubauen, bringen einen schon an seine Grenzen. Auch wenn wir mit Herausforderungen zu kämpfen hatten, gibt es deutlich mehr Gründe stolz auf uns alle zu sein. Ich würde also nicht mal eine Sekunde zögernd.

Bis dahin wünsche ich mir mehr Gleichberechtigung zwischen deutschen und MigrantengründerInnen und dass wir eine gesellschaftliche Entwicklung dahingehend hinbekommen, dass allein Leistung und harte Arbeit sich auszahlen, egal woher jemand kommt und unabhängig vom Geschlecht.

Was gebt ihr neuen Start-ups mit auf den Weg?

Umgebt euch mit Menschen mit positiver Energie und denkt daran, der Tag hat nur 24 Stunden. Auch ist es wichtig ein Team zu haben, das die gleiche Vision teilt. Und sei dessen sicher: ein Startup gründet man nicht, weil man es auf das schnelle Geld abgesehen hat, sondern weil man was bewegen will. Deswegen ist es von Bedeutung sich realistische Ziele zu setzen und die nie aus den Augen zu verlieren. Glaubt an Euch und gebt niemals auf!

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