10.12.2019 - Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)

Ist A2-Milch besser als A1-Milch?

Ein neuer Trend um die Milch macht die Runde – die Rede ist von der sogenannten A2-Milch. Was ist von diesem neuen Trend zu halten? Ist die neue Milch gesundheitlich anders zu bewerten als die herkömmliche Milch? Diese Fragen bewegen zunehmend auch Verbraucher und die Milchbranche in Deutschland. Aus diesem Grund hat das Kompetenzzentrum für Ernährung zusammen mit Cochrane Deutschland die aktuelle wissenschaftliche Literatur gesichtet und bewertet. Die Ergebnisse dieser systematischen Übersichtsarbeit stellte das KErn bei dem Wissenschaftsseminar in Freising vor.

Vor über 20 Jahren entstand in Neuseeland die Geschäftsidee, A2-Milch anzubieten. Der Unterschied zwischen A2- und A1-Milch besteht in einer einzigen unterschiedlichen Aminosäure im Beta-Casein. Dieser eher marginal erscheinende Unterschied wird mit Berufung auf wissenschaftliche Studien mit verschiedenen Erkrankungen und gesundheitlichen Einflüssen in Verbindung gebracht. Dazu gehören Verdauungsprobleme, Diabetes Typ1, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und neurologische Störungen.
Eine aktuelle, umfassende Bewertung der internationalen Studienlage stand bis dato aus. Insgesamt hat KErn in Kooperation mit Cochrane, ei-nem internationalen Netzwerk von Ärzten und Wissenschaftlern, 21 Studien bewertet, die sich mit einem Zusammenhang zwischen dem A1- und/oder A2-Milchverzehr und verschiedenen gesundheitlichen Einflüssen in Menschen beschäftigt haben. Zehn Humanstudien sind noch nicht beendet und konnten deshalb nicht in die heute veröffentlichte Übersichtsstudie des KErn eingeschlossen werden.

Fazit der Studienlage
Die Ergebnisse des umfangreichen Forschungsprojektes waren nicht einheitlich. Einige zeigten einen Zusammenhang zu den jeweiligen Erkrankungen auf, andere widerlegten diesen. Viele Studien untersuchten nur Stoffwechselparameter, die zwar einen Risikofaktor darstellen, aber nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung führen.

Erschwerend kam hinzu, dass alle untersuchten Studien nur eine moderate, niedrige oder sogar sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit besaßen. Gründe hierfür sind Mängel im Studiendesign, in der Durchführung oder Ausführung der Studien.

„Auf Basis der wissenschaftlichen Fakten kann zurzeit keine Empfehlung für die A2-Milch ausgesprochen werden“, sagt Christine Röger, Bereichsleiterin Wissenschaft am KErn. „Weitere Humanstudien, die eine hohe Datenqualität liefern, sind notwendig.“

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