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Kampf gegen den Traubenwickler

13.08.2019

M. Rid/Julius Kühn-Institut

Duftstoffsammlung an Weinreben für Verhaltensexperimente mit Traubenwicklern

Rebenschützer des JKI wollen eine per Smartphone ablesbare Eiablage-Karte entwickeln, mit der sich das Auftreten des Weinschädlings besser vorhersagen lässt. So könnten Traubenwickler künftig noch gezielter bekämpft und Pflanzenschutzmittel im Weinbau eingespart werden.

Seit Mitte Juli fliegen sie wieder in die Weinberge ein, die schädlichen Traubenwickler. Die weiblichen Falter suchen an Rebstöcken und Trauben nach den besten Plätzen für die Eiablage. Um Fraß- und Folgeschäden durch Schimmelpilze vorzubeugen, ist es wichtig zu wissen, wann der Schädling auftritt und worauf die Weibchen sprichwörtlich fliegen. Denn die aus den Eiern schlüpfenden Larven lassen sich biologisch oder chemisch nur in einem sehr engen Zeitfenster bekämpfen. Die jungen Larven müssen erwischt werden, bevor sie in die Beeren eindringen. Damit die Bekämpfung künftig noch besser gelingt, wollen Forscherinnen und Forscher des Julius Kühn-Instituts (JKI) gemeinsam mit einer kleinen Firma eine Eiablage-Karte entwickeln. Mit deren Hilfe sollen Winzer dann über ein Smartphone den Zeitpunkt des Auftretens und die Schwere des Schädlingsbefalls leichter und genauer als bisher bestimmen können.

„Dazu müssen wir die Karte für das Eiablage-Monitoring so attraktiv gestalten, dass die weiblichen Traubenwickler bevorzugt dort ihre Eier ablegen wollen“, berichtet Margit Rid vom JKI-Standort Dossenheim. Die Wissenschaftlerin hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersucht, an welchen Geruchsreizen sich die Traubenwickler-Weibchen orientieren und welche Oberflächen sie für die Eiablage attraktiv finden. „Wir konnten in Verhaltensexperimenten zeigen, dass die Eiablagerate der Weibchen am höchsten ist, wenn Optik, Oberfläche und Geruch stimmen“, fasst Rid die Erkenntnisse zusammen. Als besonders entscheidend erwies sich jedoch die Wachsschicht auf der Beerenoberfläche mit ihrer Hauptsubstanz Oleanolsäure.

Duftbouquets, die die Weinbeeren aussenden, spielen eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig scheint für die Weibchen nur zu sein, dass es nach Weinbeere duftet. Eine Präferenz für einzelne Komponenten oder für den Duft einer spezifischen Rebsorte scheint es hingegen nicht zu geben, schreiben die JKI-Forscher im „Journal of Plant Diseases“ https://doi.org/10.1007/s41348-019-00214-y. Um dies herauszuarbeiten, setzten sie den zwei Traubenwicklerarten die Düfte von vier verschiedenen Rebsorten vor. Die Doktorandin Anna Markheiser erforschte am JKI-Standort Siebeldingen, welche Form und Farbe die ideale Eiablagekarte haben sollte und untersuchte die Attraktivität weiterer einzelner Duftstoffkomponenten.

So tasten sich die Forscher immer weiter an den Prototyp einer Eiablagekarte heran, deren Eibesatz mit einer zugehörigen Smartphone-App ausgelesen werden soll. Bislang müssen Winzer ca. 100 Weintrauben auf die winzigen Eigelege untersuchen, um den Schädlingsbefall zu bestimmen, was mit bloßem Auge fast unmöglich ist. In vielen Rebanlagen wird die Paarung der Falter vorbeugend mittels der Pheromonverwirrtechnik gestört. Da die dann unbefruchtet bleibenden Weibchen keine Eier legen, ist es bisher nicht möglich, die tatsächliche Eidichte im Weinberg genau zu bestimmten. Mit der Eiablagekarte und der App jedoch ließe sich der Eibesatz auf der Karte mit der tatsächlichen Eidichte im Weinberg genau korrelieren. So könnte eine Überschreitung der Schadschwelle festgestellt und dann der Einsatz der Schutzmaßnahmen zeitlich genauer geplant werden. Das würde den Winzern Zeit, Geld und Pflanzenschutzmittel einsparen, egal ob es sich um die für den Ökoweinbau zugelassenen Präparate oder andere Insektizide handelt.

Julius Kühn-Institut (JKI) Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau

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