01.05.2019 - TÜV SÜD AG

Exotisches versus heimisches Superfood

An Kiwi, Ingwer und Granatapfel haben sich Verbraucher längst gewöhnt. Aber was ist mit Acai-Beere, Acerola und Aronia? Oder mit Moringa, Spirulina und Baobab? Dieses sogenannte Superfood liegt bei gesundheitsbewussten Verbrauchern im Trend. Viele regionale Lebensmittel müssen allerdings bei den Nährstoffen den Vergleich nicht scheuen, haben eine bessere Ökobilanz und schonen den Geldbeutel.  

Ob Hilfe beim Abnehmen oder eine gesündere Darmflora: Superfood wird vielfach eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Zahlreiche exotisch klingende Lebensmittel aus Asien, Nord- und Südamerika und Afrika, die vor wenigen Jahren hierzulande noch weitgehend unbekannt waren, finden Verbraucher heute im Handel. Mit dem Begriff Superfood werden besonders nährstoffreiche Nahrungsmittel bezeichnet. Lebensmittelrechtlich ist Superfood kein definierter Begriff, auch ist die besondere Gesundheitswirkung häufig nicht belegt. Die Zahlen des statistischen Bundesamtes belegen die steigende Nachfrage nach exotischen Lebensmitteln: So wurden 2016 ganze 155 % mehr Chiasamen verkauft als 2015, bei Amaranth waren es 91 % und bei Quinoa 51 % mehr. Der Avocado-Markt boomt ebenso: Nach Deutschland wurden 2008 insgesamt 19.300 Tonnen Avocado importiert. Acht Jahre später hat sich die Anzahl mit 58.500 Tonnen mehr als verdreifacht.

Superfood wächst auch direkt vor unserer Haustür

Walnüsse, Grünkohl, Brokkoli, Rote Beete, Spargel, Leinsamen, Hirse und viele Kräuter: Das Angebot an regionalem „Superfood“ ist enorm. Viele regionale Produkte können dabei mit den Exoten locker mithalten. Sie sind ebenso wertvoll in ihren Inhaltsstoffen und wegen ihrer kürzeren Lieferwege auch noch frischer und zudem ökologisch günstiger. Hinzu kommt: Für hiesige Landwirte ist der Kauf des regionalen Superfoods erfreulicher – und für die private Haushaltskasse auch. Aber Acai-Beeren klingen eben trendiger als heimische Obst- und Gemüsesorten wie Heidelbeeren, Holunderbeeren, blaue Trauben oder gar Rotkohl. Die Beeren des Gemeinen Bocksdorns – auch Gojibeere genannt – sind übrigens schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt und wachsen beispielsweise in Südosteuropa.

Der Nährstoffvergleich mancher Superfood-Produkte mit den traditionellen Alternativen zeigt, dass bei den Hauptnährstoffen (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffen) große Ähnlichkeiten bestehen. Auch in den so genannten „sekundären Pflanzenstoffen“ schneiden sie nicht schlechter ab. Diese nutzen Pflanzen z. B. zum Schutz vor Fraßfeinden (Bitterstoffe, Gerbstoffe), als Farbstoff oder zur Wachstumsregulation. In Tier- und Zellkulturstudien haben diese oft positive Gesundheitseffekte (z. B. antioxidativ, entzündungshemmend, antibiotisch).

Bei manchen Superfood-Produkten sind bezüglich der Vitamine, Mineralien und pflanzlicher Inhaltsstoffe durchaus Vorteile zu finden, wie z. B. bei Calcium und Vitamin E. Auch kann Superfood die Ballaststoff-Versorgung verbessern oder einfach mehr Abwechslung ins Essen bringen. Wer gezielt auf diese Inhaltsstoffe achtet, profitiert in Einzelfällen von den höheren Gehalten und der Abwechslung im Geschmack, die Superfood-Waren bieten.

Vegan/nicht vegan:

Mit Quinoa & Co. kommt mehr pflanzliche Abwechslung auf den Tisch. Wenn Sahne, Ei und Käse nicht auf dem Speiseplan stehen, ist vielleicht eine Avocado als Konsistenzgeber, Nährstoffquelle und für den Geschmack durchaus willkommen.

Fazit:

Exotisches Superfood kann vor allem mit neuen Geschmackserlebnissen punkten. Die heimischen Alternativen stehen dem exotischen Superfood physiologisch aber in keiner Weise nach und fügen sich besser in einen saisonalen bzw. regionalen Ernährungsstil ein.

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