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Schwere Hygienemängel bei "Serways"-Autobahnrestaurant

Veröffentlichung geheimer Berichte der Lebensmittelüberwachung auf "Topf Secret"

18.03.2019

Schimmel, schwarzer Belag an Arbeitsgeräten, Schabenbefall in der Küche: In einem Autobahn-Restaurant einer "Serways"-Raststätte haben amtliche Lebensmittelkontrolleure schwere Hygienemängel festgestellt. Das zeigen bisher unveröffentlichte Kontrollberichte, die die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenzinitiative FragDenStaat am Donnerstag auf dem Mitmach-Portal "Topf Secret" online gestellt haben. Bei Überprüfungen von vier weiteren Serways-Raststätten, die foodwatch und FragDenStaat ebenfalls veröffentlichten, dokumentierten die Kontrolleure hingegen keine oder nur geringe Mängel. Die Öffentlichkeit wurde über die Missstände in der Raststätte nicht informiert. foodwatch und FragDenStaat riefen Bürgerinnen und Bürger auf, über "Topf Secret" weitere Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen bei Behörden zu erfragen, um diese Geheimhaltung zu beenden. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Nutzer die amtlichen Berichte online mit wenigen Klicks beantragen und später auch veröffentlichen.

"Die bisher geheim gehaltenen Kontrollberichte zeigen einmal mehr: Die meisten Lebensmittelunternehmen in Deutschland arbeiten sauber - aber es gibt einen Bodensatz von Betrieben, die schlichtweg als ekelig bezeichnet werden müssen. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht zu erfahren, welche die Ekelbetriebe sind", erklärte Oliver Huizinga, Leiter der Abteilung Recherche und Kampagnen bei foodwatch. foodwatch und FragDenStaat forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich endlich für ein bundesweites Transparenzsystem einzusetzen: Behörden müssten per Gesetz verpflichtet werden, ausnahmslos alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen - so wie es in Dänemark seit vielen Jahren der Fall ist. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten, so die Organisationen.

"Topf Secret ist eine Notwehr-Maßnahme, weil Bund und Länder es jahrelang verschlafen haben, für Transparenz in der Lebensmittelüberwachung zu sorgen", sagte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat. "Die Veröffentlichung aller Lebensmittelkontrollergebnisse schafft Klarheit für die Kundinnen und Kunden, schreckt Schmuddelbetriebe ab und ist gleichzeitig die beste Werbung für alle sauber arbeitenden Unternehmen." 

foodwatch und FragDenStaat hatten die Kontrollberichte durch Behördenanfragen über das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten und diese jetzt auf "Topf Secret" veröffentlicht. Die amtlichen Berichte dokumentieren Kontrollbesuche in den Jahren 2016 bis 2018 bei insgesamt fünf "Gusticus"-Restaurants auf Serways-Raststätten, die zum Unternehmen Tank & Rast gehören. Während bei einem Restaurant keine und bei drei weiteren nur geringe Mängel festgestellt wurden, beanstandeten die Kontrolleure im Restaurant der Raststätte Hardtwald Ost auf der A5 bei Heidelberg schwere Verstöße gegen Hygienevorgaben: "Der Tischdosenöffner war im Bereich des Zapfens durch schwarze Beläge und Lebensmittelreste verunreinigt", heißt es etwa in dem Bericht. In der Küche fand sich eine Schabe, der Getränkekühlschrank war "durch tote Insekten und leichte sporenartige weiße Beläge verunreinigt" und "der Getränkeauslauf an der Getränkestation war durch schwarzweiße sporenartige Beläge verunreinigt". Im Rahmen einer Nachkontrolle, welche drei Monate später stattfand, waren die Mängel laut Behörde "fast vollständig" behoben. In keinem der Fälle wurde die Öffentlichkeit informiert.

Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in wenigen Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist - obwohl seit Jahren jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet wird, größtenteils wegen Hygienemängeln. Auf dem Portal "Topf Secret", das foodwatch und FragDenStaat im Januar gestartet haben, können Bürgerinnen und Bürger jetzt selber schnell und einfach VIG-Anträge bei Lebensmittelbehörden stellen und die Ergebnisse veröffentlichen. Ziel ist langfristig, ein Transparenzsystem nach dem Vorbild Dänemarks zu erreichen: Dort erfahren Bürgerinnen und Bürger im Internet und direkt an der Ladentür anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist - egal ob Autobahnrestaurant, Metzgerei oder Schulkantine. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Ähnliche Transparenzsysteme gibt es auch in Norwegen oder Wales - und auch dort sank die Quote der beanstandeten Betriebe nach Einführung der Transparenzregelung deutlich.

Original-Kontrollberichte mit Zusammenfassung/Lesehilfe von foodwatch sind oben rechts im Kasten verlinkt.

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