27.07.2018 - SHIFTSCHOOL for Digital Transformation GmbH

Gründen ist vor allem harte Arbeit – mit Kind oder ohne

Den privaten besten Zeitpunkt für’s Gründen gibt es nicht

Als Kind hatte ich unglaublich viele Träume. Gefühlt wollte ich jede Woche etwas Anderes werden: Schreinerin, Schriftstellerin, Pippi Langstrumpf oder aber häufig auch Sportlerin. Einmal ein Unternehmen zu gründen, let’s face it, kam damals definitiv nicht in meinen Träumen vor.

Die Sportlerkarriere musste ich bereits in meiner Jugend an den Nagel hängen und auch sonst kam es, wie so häufig im Leben, ganz anders als gedacht. Dass ich tatsächlich mit Ende dreißig Gründerin wurde, war das Resultat eines glücklichen Zusammenspiels folgender Faktoren: ein Mann, bereits selbständig und nebenbei als Dozent tätig, der mir seit einem Studienaufenthalt in Berkeley 2012 mit dem Thema Digitalisierung in den Ohren lag. Meine große Leidenschaft für das Thema Bildung. Und zu guter Letzt unser drittes Kind und die Bewerbungsgespräche in der Elternzeit, die immer gleich verliefen: Die anfängliche Begeisterung ob meiner Qualifikation, die dann beim Thema Vollzeit arbeiten mit drei Kindern ganz schnell dahin war – mit dem Hinweis, dass ich diese Vorstellung doch besser noch mal überdenken solle.

Eines Abends war ich über diese Aussagen so wütend und trotzig, dass ich einfach zu meinem Mann gesagt habe: „Wir machen das jetzt. Wir gründen diese Akademie – komme, was wolle!“ Zu diesem Zeitpunkt hatten wir beide schon einige Monate immer wieder diskutiert, wie wenig unser (Weiter-)Bildungssystem Menschen auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet und dass es dringend an der Zeit wäre, eine Schule zu bauen, auf die wir selbst auch gerne gegangen wären. An diesem Abend war für mich Schluss mit „hätte, wäre, müsste“ - und Baby Nummer Vier, unsere SHIFTSCHOOL, war geboren.

Freiheit heißt Herausforderung

Danach hatte ich zwei schlaflose Nächte, in denen ich mir ausmalte, was alles schief gehen könnte. Wie das werden sollte, als ohnehin schon diskussionsfreudiges Ehepaar nun auch noch gemeinsam ein Unternehmen zu führen. Von Tag null ohne großes Kapital drei Kinder zu ernähren. Wie gut ich es wegstecken könnte, wenn wir scheitern. Und kam dann schnell zu dem Schluss, dass ich da schon Schlimmeres hinter mich gebracht habe im Leben.

Worüber ich mir damals lustigerweise keinerlei Gedanken machte, war zum Beispiel die große Freiheit, die ich jetzt hatte. Denn das stellte sich als viel größere Herausforderung dar. Plötzlich war ich komplett selbst für alles verantwortlich, für viele Dinge, von denen ich keinerlei Ahnung hatte, sollte selbstbestimmt arbeiten und täglich Entscheidungen treffen. Hinzu kam - so schön es war, jetzt frei über meine Zeit zu entscheiden und damit auch den Kindern gerechter werden zu können – dass eben niemand mehr da war, der meine Arbeit miterledigte, wenn mal wieder eines der Kinder krank war. Und die leidige Diskussion, die sicher alle Eltern kennen, wer denn nun wohl heute den „wichtigeren“ Tag hat und wer daheim bei den kranken Kindern bleibt, bekam in unserem Fall noch mal eine ganz neue Bedeutung.

In Sachen Gründung gibt es nur den richtigen Zeitpunkt der Idee

Diese Gründungsphase mit Mann und Baby war für mich extrem spannend und lehrreich. Aber auch sehr anstrengend. Das ist die Gründung eines Unternehmens denke ich immer, da sollte man sich nichts vormachen. Sie ist am Ende des Tages eben vor allem harte Arbeit. Ob die Elternzeit sich besonders fürs Gründen eignet, kann ich so nicht eindeutig beantworten. Es ist sicher eine Zeit, in der man viel überdenkt und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Aber ich glaube, es gibt privat nie diesen einen richtigen Zeitpunkt, egal wofür, auf den man immer so gerne wartet. In puncto Gründung gibt es nur den richtigen Zeitpunkt der Idee – und der ist entscheidend. Dass in meinem Fall dann noch ein Baby und eine gehörige Portion Trotz dazu kamen, war einfach Glück. Und dafür bin ich heute, drei Jahre nach der Gründung, immer noch sehr dankbar. Denn nun kann ich täglich mit meinem Mann an unserem gemeinsamen Traum arbeiten, die Bildungslandschaft gehörig auf den Kopf zu stellen.

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